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Mehr Substanz

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Keine Deko, keine Show, nur Qualität. Getragen von diesem Credo hat District V in Ingolstadt einen Mikrokosmos geschaffen, der aus drei Unternehmen besteht. Bereits mit der kleinen, radikal reduzierten Rösterei, mit der 2015 alles begann, zeigte sich, dass es hier keinen Platz für Schnickschnack gibt.

Trotz gelebtem Minimalismus haben Michael Menrad und seine Kolleg*innen bei District V Orte geschaffen, an denen man bleiben möchte. Neben der Rösterei sind mittlerweile auch ein Café und der Coworking Space co:Lab entstanden. Hochwertige Produkte und sorgfältig gestaltete Räume machen diese Orte besonders – mit Designklassikern aus zweiter Hand, reduziertem Licht und Elementen aus Naturstein – entwickelt und umgesetzt mit und durch Alpha Stone in Zusammenarbeit mit Förstl Naturstein. So entstanden in den letzten Jahren außergewöhnliche Raumkonzepte, in denen Naturstein mehr ist als nur Oberfläche. Er ist ein Statement.

 

Wir haben mit Michael ein Interview geführt und sind dabei auch zwei seiner Kolleg*innen begegnet. In den Gesprächen ging es um Kaffee und Innenarchitektur. Vor allem aber erhielten wir einen Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, das Gestaltung nicht als Stilmittel versteht, sondern als Haltung – und das zeigt, wie Naturstein zum Anker einer Philosophie werden kann.

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In der District V Roastery entstanden zwei Theken und eine kubische Gästetribüne aus deutschem Jura Kalkstein mit gebürsteter Oberfläche und scharrierten Seitenteilen. Ein großer Esstisch wurde aus dem Marmor Rosso Levanto gefertigt.

Michael, wie hat alles bei euch angefangen?

Tobi [Tobias Stehle, Mitgründer von District V] und ich haben 2015 die Rösterei gegründet. Von Anfang an war der Fokus klar: Qualität hat immer Priorität. Alles andere war erstmal zweitrangig. Unsere Wände waren unverputzt, aber wir hatten die beste Kaffeemaschine, die man kaufen konnte. Uns ging es um das Produkt. Und um Räume, die das unterstützen – ehrlich, reduziert, hochwertig.

 

War euch damals schon bewusst, dass dieser kompromisslose Qualitätsanspruch einmal euer Markenzeichen sein würde?

Diese konsequente Reduktion, dieser Fokus auf das Wesentliche, zieht sich durch alle unsere Projekte. Das Café und der Co-Working-Space in einer alten Industrievilla auf dem Audi-Werksgelände, die später dazu kamen – wuchsen nicht aus Marketing- oder Businessplänen, sondern aus Ideen, wie man Kaffee und Raum anders denken kann.

 

Wie kam Alpha Stone ins Spiel?

Bevor das co:Lab zu dem wurde, was es heute ist, haben wir in dem Raum unser erstes gemeinsames Projekt gestartet: eine kleine Pizzeria mit Elementen aus Terrazzo. Über einen Kontakt kam ich zu Matthias [Förstl] von Alpha Stone – und da hat’s sofort gefunkt. Matthias war für uns nie einfach nur ein Lieferant. Er war Ideengeber, Berater, Sparringspartner. Wir kamen mit unseren Luftschlössern – und er hat sie greifbar gemacht.

 

Und so seid ihr dann beim Naturstein angekommen?

Mit der Pizzeria haben wir sozusagen Blut geleckt und uns in Stein als Material verliebt. Es wurde dann immer mehr: Massive Theken, Oberflächen mit Scharrierung, Marmor aus der Region – jedes Stück sorgfältig ausgewählt und gemeinsam entwickelt. Mit Matthias konnten wir richtig denken – nicht nur in Formen, sondern auch in Haptik, Funktion und Alltag. Der Stein ist nicht nur schön, er funktioniert, er lebt mit uns mit und das Beste: er kommt sogar teilweise aus der Region. Das war uns ganz wichtig.

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Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Tribüne in der Rösterei zu bauen?

Die Tribüne ist eigentlich aus einem ganz praktischen Gedanken heraus entstanden: Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, dass Leute sitzen, Kaffee trinken, aber gleichzeitig die Rösterei als Bühne erleben können. Zunächst bauten wir eine Holztribüne, die wir dann in Zusammenarbeit mit Matthias mit scharriertem Kalkstein verkleideten.

 

Ihr legt viel Wert auf Atmosphäre – was muss ein Raum für euch mitbringen, damit er sich richtig anfühlt?

Der Fokus lag immer auf hochwertigen Produkten und Design. Wir haben anfangs ausgewählte Designklassiker bei Kleinanzeigen gekauft und damit unsere Räume eingerichtet. Naturstein ergänzt diesen Ansatz perfekt. Klar, Stein ist erstmal kalt, aber durch die haptische Anmutung der gebürsteten und teils scharrierten Oberflächen hat er eine warme Ausstrahlung und ist trotzdem klar und schnörkellos. Und er altert so schön. Ich mag Dinge, die Patina entwickeln, die mit der Zeit Geschichten erzählen. Für mich war das Besondere von Anfang an, dass wir unsere Räume wie unser Produkt behandeln – sorgfältig und mit viel Respekt fürs Detail. Naturstein war da der nächste logische Schritt.

Im co:Lab Café prägt Stein die Atmosphäre: Der Tresen und die Arbeitsplatten im Gästebereich bestehen aus Salem Gold Kalkstein, ergänzt durch eine Rückwand aus demselben Material. In der Showküche sind ein geschliffener Terrazzo-Tresen und Arbeitsplatten ein echter Blickfang.

„Ich mag Dinge, die Patina entwickeln, die mit der Zeit Geschichten erzählen. Für mich war das Besondere von Anfang an, dass wir unsere Räume wie unser Produkt behandeln – sorgfältig und mit viel Respekt fürs Detail. Naturstein war da der nächste logische Schritt.“

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Es ist nicht nur Michael, der so denkt – das gesamte Team von District V lebt die Haltung, die in jedem Raum ihres Mikrokosmos spürbar ist. Denn was hier entsteht, beruht auf einem gemeinsamen Prozess, getragen von Vertrauen, Verantwortung und Gestaltungslust.

 

Lilly zum Beispiel, die heutige Betreiberin des co:Labs, fand ihren Weg über die Küche dorthin – buchstäblich. “Ich bin eigentlich über die Küche zu District V gekommen – als Aushilfe. Am Anfang habe ich einfach mit angepackt, aber sehr schnell gemerkt, dass mich mehr interessiert: nicht nur das Produkt, sondern das ganze Drumherum. Als das Gespräch aufkam, ob ich das co:Lab übernehmen will, war das eine Riesenchance – weil ich nicht einfach eine fertige Fläche übernehmen sollte. Ich durfte etwas aufbauen. Was mir wichtig war: dass sich der Raum echt anfühlt. Die Theke aus Naturstein war dabei für mich wie ein Anker. Das ist nichts, was man sich ausdenkt, um Eindruck zu machen. Das ist einfach da – massiv, unaufgeregt, ruhig. Und genau so wollte ich das co:Lab auch haben.”

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Im District V Café setzte sich dieser Ansatz fort: Tresen und Arbeitsplatten wurden kubisch aus Castello Kalkstein gebaut, in sandgestrahlter und gebürsteter Oberfläche. Weitere Natursteinelemente sind hier bereits in Planung – als organische Weiterentwicklung des Raumkonzepts.

Die Theke, auf die Lilly anspielt, steht sinnbildlich für das, was Naturstein für District V bedeutet: kein bloßes Material, sondern ein Anspruch. Es geht nicht darum, möglichst ausgefallen zu gestalten – sondern darum, das Richtige zu wählen. Materialien mit Substanz, die altern dürfen und dabei Charakter entwickeln.

 

Das zeigt sich auch im Café, wo Maximilian, der erste Festangestellte und heutige Geschäftsführer, täglich erlebt, wie Design und gelebte Philosophie zusammenkommen. “Ich komme aus dem Designbereich – ich habe zwei Jahre die Akademie für Gestaltung und Design in München besucht, bevor ich in die Gastronomie kam. Und genau deshalb fand ich es spannend, wie bei District V Materialien eine Wirkung entfalten, die über Ästhetik hinausgeht. Die erste Zeit war radikal: Diese unglaubliche Espressomaschine – und sonst fast nichts. Aber das war eben kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung. Das Hinzufügen von Elementen aus Naturstein war keine Abkehr von diesem Ansatz, im Gegenteil: Es war eine Fortführung dessen. Heute sehe ich täglich, wie der Stein wirkt. Gäste kommen, berühren die Theke, fragen nach dem Material. Für mich ist das kein Designobjekt, sondern ein Einstieg ins Gespräch – und genau das zählt für uns. Der Stein schafft Präsenz. Und vielleicht ist es genau das, was den Unterschied macht.”

 

Die Aussagen von Lilly und Maximilian zeigen, wie sehr District V nicht nur durch seine Räume, sondern durch die Menschen dahinter geprägt ist. Es geht nicht um Design, um des Designs willen – sondern um das Zusammenspiel von Philosophie, Material und gelebtem Alltag. Und genau das macht das Projekt so einzigartig: Jeder Raum trägt eine Idee in sich, die gewachsen ist – aus Überzeugung, nicht aus Kalkül.

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von links Tobias Stehle, Maximilian Pauly, Matthias Förstl, Michael Menrad

Maximilian hat die Gäste bereits erwähnt – gibt es viele Reaktionen auf den Stein?

Viele fragen: Ist das echt? Sie fassen den Stein an, schauen genau hin. Im co:Lab zum Beispiel ist die Theke aus Naturstein der Dreh- und Angelpunkt – egal ob bei Events oder im Tagesgeschäft. Aber auch im Café spielt Naturstein eine Hauptrolle.

 

Es gibt ja leider das hartnäckige Vorurteil, dass Naturstein schwer zu pflegen ist. Was sagst du dazu? Gerade in der Gastronomie?

Ganz ehrlich: Kalkstein lässt sich easy pflegen. Man muss halt die richtigen Produkte einsetzen. Aber das muss man auch bei Holz oder zum Beispiel Edelstahl. Klar, man muss bei gewissen Dingen aufpassen – keine Fruchtsäuren wie Zitronensaft zu lange auf der Oberfläche lassen. Und selbst wenn mal etwas schiefgeht, sehen wir Gebrauchsspuren nicht als Makel. Naturstein ist ein Naturprodukt und lebt – wie auch Holz.

 

Gibt es einen Trend in Richtung Naturstein in der Gastro?

In unserer Bubble vielleicht. Cafés, die sich abheben wollen, setzen vermehrt auf Materialien mit Substanz. Aber klar – es gibt auch viele, die bei MDF oder anderen Schichtstoffen bleiben. Ich finde: Wer hohe Qualität verkaufen will, muss sich auch mit Hochwertigkeit umgeben.

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Viele fragen: Ist das echt? Sie fassen den Stein an, schauen genau hin. Im co:Lab zum Beispiel ist die Theke aus Naturstein der Dreh- und Angelpunkt – egal ob bei Events oder im Tagesgeschäft.

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Bei District V geht es ums Sein, nicht um den Schein. Und genau deshalb passt Naturstein so gut in den Kosmos von Michael und seinen Kolleg*innen. Es ist ein Material, das nicht nur gut aussieht, sondern etwas erzählt. Jede Maserung, jede Kante, jeder Riss trägt eine Geschichte in sich. Naturstein ist so ehrlich wie das Konzept dahinter. Er braucht keine Effekte, keine Inszenierung – er lebt durch seine Präsenz. In einer Welt, in der man vieles austauschen kann, ist Naturstein ein Gegenentwurf. Und genau das macht ihn bei District V nicht nur zum gestalterischen Element, sondern zum Ausdruck einer Haltung. Einer Haltung, die spürbar macht, dass gute Gestaltung immer auch mit Wertschätzung beginnt – für Materialien, Menschen und das, was sie gemeinsam schaffen.

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